Mut machen

Auswirkungen der Operation mit Anlage eines künstlichen Harnausgangs (Stoma) und das Leben danach.

Ich war heilfroh, dass nach der Operation, Entfernen der Blase und Prostata, der Befund besagte, dass alle Krebszellen entfernt wurden. Das war der erste Schritt für eine neues Leben mit einem Stoma.

Durch die radikale Prostatektomie, Entfernen der Blase und Prostata, tritt zwangsläufig eine Zeugungsunfähigkeit ein. An der Prostata verlaufen Nervenfasern, die auch für die Potenz wichtig sind. Für mich ging es bei der Operation primär um die Entfernung aller Krebszellen, so dass die Potenz zunächst nur ein sekundäres Thema war. In der Regel erhält man während der Anschluss Heilbehandlung (Reha) detaillierte Informationen. Ich habe dieses Thema mit meinem Urologen besprochen, der mir mit fachlichem Rat hilfreich zur Verfügung stand.

Die Rückkehr zum normalen Leben war leichter gesagt als getan. Nach der Operation, der Rückkehr aus der Reha (Anschluss Heilbehandlung) und der Gewissheit krebsfrei zu sein, dachte ich, jetzt geht das Leben wieder seinen gewohnten Gang wie früher. Weit gefehlt, denn alle 2-3 Stunden sehe ich meinen Beutel, der geleert werden muss und mich zwangsläufig an meinen Krebs erinnert. Jeder Gang zum Einkaufen, Arztbesuche, Theater, Kino, Konzerte also alle Veranstaltungen sind so zu planen, dass die Möglichkeit eine Toilette in der Nähe zu finden gegeben sein muss. Das ist schon eine gewisse Herausforderung. Zu Anfang bekam ich manchmal doch einen kleinen Moralischen.

Nachdem mir bewusst wurde, wie schnell sich das Leben ändern kann, unternehmen wir viele Reisen, vorzugsweise mit einem relativ kleinen Schiff. Hierüber mehr unter dem Punkt Button Entdeckerreisen. Hierbei kann ich mein Hobby Fotografieren grenzenlos ausüben.

Die Flughafenkontrollen, auch im Ausland, sind wirklich nicht das Problem. Ich habe meinen Stoma Pass dabei, den ich aber noch nie vorgezeigt habe. Ein kleiner Hinweis, dass man Stoma Träger ist, reicht aus. Ab und zu wird von einem separaten Sicherheitsmitarbeiter das Stoma abgetastet. Problem und eine zu planende Zeiteinteilung für das regelmäßige Entleeren des Beutels auf einer öffentlichen Toilette ist das A&O. Stadtrundfahrten, die ohne Pause länger als 2 Stunden, mit Ein- und Aussteigen sowie Vorbereitung kommt man locker auf 3 Stunden. Schweren Herzens habe ich auf so manche Stadtrundfahrt oder Panoramafahrt verzichten müssen. Ein großer Kritikpunkt an die Organisatoren oder Reisebegleiter ist das Nichtwissen von öffentlichen Toiletten in der örtlichen Region. Mit dieser Einschränkung muss ich halt leben.

Letztendlich ist mir im Nachhinein nie der Gedanke gekommen, ob die Entscheidung der Operation richtig gewesen war. Das Leben mit einem Stoma ist anders – aber dennoch lebenswert. Das war auch ausschlaggebend dafür, dass ich in der Selbsthilfegruppe Deutsche ILCO e.V. sehr engagiert mitarbeite. Meine Homepage soll meine Erfahrungen an Betroffene weitergeben.